Pilotprojekt des Landkreises ermöglicht dezentrale Impfungen für Schwerstkranke in Arztpraxe

Im Landkreis Vechta können jetzt Schwerstkranke aus der 2. Prioritätengruppe in Arztpraxen gegen das Coronavirus geimpft werden, sofern sie nicht in Einrichtungen behandelt werden. Kreisweit nehmen 42 Ärzte in 33 Praxen an dem Pilotprojekt des Landkreises teil.

Schwerstkranke können jetzt dezentral geimpft werden: Dr. Stefan Krafeld setzt seinem Patienten Michael Gehrke im Beisein vom Ersten Kreisrat Hartmut Heinen (1.v.l.) und Landrat Herbert Winkel (2.v.l.) den „Pieks“ gegen das Coronavirus. (Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp)

Im Landkreis Vechta können jetzt Schwerstkranke aus der 2. Prioritätengruppe in Arztpraxen gegen das Coronavirus geimpft werden, sofern sie nicht in Einrichtungen behandelt werden. Kreisweit nehmen 42 Ärzte in 33 Praxen an dem Pilotprojekt des Landkreises teil. „Die behandelnden Ärzte können die Krankengeschichte ihrer Patienten am besten bewerten und einschätzen, wer aufgrund seines Gesundheitszustandes vordringlich geimpft werden muss. So stellen wir sicher, dass alle ein Impfangebot bekommen, die nach der Impfverordnung wegen ihrer Vorerkrankung ein Anrecht darauf haben“, sagt Landrat Herbert Winkel zur Zielsetzung des Projektes. Auf ihre speziellen medizinischen Bedürfnisse könne in den Praxen noch besser eingegangen werden als im regionalen Impfzentrum. Zudem ließen sich mit dem dezentralen Ansatz die Wege für diese Impflinge kürzer gestalten. Auch bettlägerige, nicht mehr mobile Patienten können versorgt werden. Bis Ende der Woche erhalten so insgesamt 462 Patienten eine Impfung. 


„Endlich haben wir die Möglichkeit, unsere besonders gefährdeten Patienten mit einer Impfung vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen“, freut sich Dr. Stefan Krafeld, Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Ärzteschaft sehe kritisch, dass das Land nicht längst eine pragmatische Lösung für diese Gruppe entwickelt habe. „Wir nehmen deshalb das Angebot des Landkreises gerne an.“ Neben den über 70-jährigen werden zur 2. Prioritätengruppe alle Personen gezählt, bei denen ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf einer Covid-19-Infektion besteht. Dazu gehören etwa Patienten mit schweren Lungenerkrankungen, mit behandlungsbedürftigen Tumoren oder mit chronischen Nierenerkrankungen. Das Pilotprojekt zielt genau auf diese Menschen ab. „Die teilnehmenden Ärzte werden mit ihrem Praxispersonal als mobile Impfteams des Impfzentrums tätig“, erklärt Erster Kreisrat Hartmut Heinen. Geimpft werde mit dem Vakzin von AstraZeneca. Die verfügbare Impfmenge sei allerdings sehr begrenzt und nur für absolut dringliche Fälle vorgesehen. In einem ersten Schritt erhalten die Praxen jeweils elf Impfdosen.

„Die Arztpraxen wurden von ihren Standesvertretern über das Projekt informiert und konnten sich bei Interesse direkt beim Impfzentrum melden. Wir freuen uns, dass die Initiative auf ein so positives Echo gestoßen ist. Letztendlich schützt eine schnelle Impfung dieser Risikogruppe nicht nur jeden Einzelnen, sondern sorgt auch dafür, dass es aus dieser Gruppe weniger stationäre Behandlungsfälle gibt. Damit können wir auch das Gesundheitssystem entlasten“, ist der Erste Kreisrat überzeugt. Eigentlich hatte das Pilotprojekt bereits letzte Woche begonnen. Aufgrund der vorübergehenden Aussetzung des Impfstoffes von AstraZeneca mussten die Impfungen jedoch auch hier ausgesetzt werden